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Wie die Unity Runtime Fee die Landschaft der Spieleentwicklung verändert

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Wie die Unity Runtime Fee die Landschaft der Spieleentwicklung verändert

UPDATE (23.09.2023): es gibt bereits ein Update für das Preismodell von Unity.

Unity hat kürzlich sein Preismodell überarbeitet und die Unity Runtime Fee eingeführt, was in der Spieleentwickler-Community für viel Gesprächsstoff sorgt. Was bedeutet diese Änderung und wie wirkt sie sich auf Spieleentwickler aus? Wir gehen der Frage auf den Grund.

Zusammenfassung und Erklärung

Ab dem 1. Januar 2024 führt Unity eine „Unity Runtime Fee“ ein. Diese Gebühr orientiert sich nicht am Spielerlös, sondern an der Anzahl der Spielinstallationen. Unity unterstreicht, dass diese Gebühr Entwicklern Vorteile bringt, da mit jedem Spiel-Download auch die Unity Runtime installiert wird.

Was ist die Unity Runtime Fee?

Die Unity Runtime Fee basiert auf der Anzahl der Installationen eines Spiels auf einer Unity-unterstützten Plattform. Bei jedem Download eines Spiels wird auch Unitys Laufzeitcode installiert. Die Gebühr dient laut Unity der fortlaufenden Investition in diesen Code, um die Milliarden von Geräten, die jeden Monat bedient werden, zu unterstützen.

Wer ist von der Unity Runtime Fee betroffen?

  • Für Nutzer von Unity Personal und Unity Plus gilt die Gebühr, wenn sie in den letzten 12 Monaten über $200.000 erzielt haben UND mindestens 200.000 Installationen über die Lebensdauer des Spiels haben.
  • Bei Unity Pro und Unity Enterprise wird die Gebühr angewendet, wenn in den letzten 12 Monaten über $1.000.000 verdient wurde UND das Spiel über die Lebensdauer mindestens 1.000.000 Installationen aufweist.
  • Spiele, die den Umsatzschwellenwert nicht erreichen oder auf irgendeine Weise nicht monetarisiert sind, müssen keine Installationsgebühr zahlen.


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Warum ist das so kontrovers?

Das neue Preismodell ist ein bedeutender Schritt weg von Unitys bisherigem Lizenzmodell, bei dem Entwickler basierend auf ihrem Umsatz bezahlten. Einige in der Branche sind der Meinung, dass die neue Gebühr kleinere Entwickler bestrafen könnte, insbesondere solche, die nicht den gleichen Umsatz machen, aber eine breite Installationsbasis haben.

Ein großes Thema ist die Planbarkeit von Kosten. Spieleentwicklung ist ein langwieriger Prozess, von der Planung bis zum Launch können Jahre vergehen.

Wenn Entwicklerstudios gerade Spiele in der Entwicklung haben und vielleicht noch einen Vertrag mit einem Publisher haben, dann wurden die Kosten des Spiels bei Vertragsabschluss schon festgelegt.

Wenn jetzt Unity das neue Preismodell mit so wenig Anlaufzeit ankündigt, dann kann das zu großen Schwierigkeiten führen. Den Wert soll die neu entstehenden Kosten die nie eingeplant wurden bezahlen?

Wem betrifft das?

Laut Unity werden mehr als 90% der Kunden nicht von dieser Änderung betroffen sein. Nur Spiele, die sowohl den Umsatz- als auch den Installationsgrenzwert überschreiten, qualifizieren sich für die Unity Runtime Fee. Dies bedeutet, dass sich die Gebühr hauptsächlich auf größere Studios auswirken wird, die bereits beträchtliche Downloads und Einnahmen erzielen.

Wie sehr sind Indie-Entwickler betroffen?

Viele Indie-Entwickler sind besorgt, da sie oft nicht die gleichen Ressourcen wie größere Studios haben. Die gute Nachricht ist, dass Unity Grenzwerte für Umsatz und Installationen festgelegt hat, die erreicht werden müssen, bevor Gebühren anfallen. So müssen beispielsweise Spiele, die Unity Personal oder Unity Plus verwenden, in den letzten 12 Monaten mehr als $200.000 erwirtschaftet und mindestens 200.000 Installationen erreicht haben, bevor Gebühren anfallen.

Daher werden viele Indie-Entwickler, insbesondere solche, die gerade erst anfangen oder nur ein bescheidenes Einkommen aus ihren Spielen ziehen, wahrscheinlich nicht von den neuen Gebühren betroffen sein.

Was noch unklar ist, wenn diese Grenze von $200.000 und 200.000 Installationen überschritten wird, kann man dann auf Unity Pro upgraden um die Grenzen auf jeweils 1.000.000 zu erhöhen? Muss man vor der 200.000er Grenze schon upgraden? Das sind alles noch keine geklärten Fragen.

Auswirkungen auf Spieler

Das Aufkommen der Unity Runtime Fee betrifft nicht nur die Entwickler, sondern könnte sich auch auf uns, die Spieler, auswirken. Es gibt mehrere potenzielle Konsequenzen, die wir im Folgenden untersuchen werden:

1. Anstieg der Spielepreise Eine der offensichtlichsten Auswirkungen der Unity Runtime Fee könnte ein Anstieg der Verkaufspreise für Spiele sein. Entwickler könnten versuchen, die zusätzlichen Kosten, die durch die Gebühr entstehen, an die Verbraucher weiterzugeben. Für uns als Spieler könnte dies bedeuten, dass wir tiefer in die Tasche greifen müssen, um uns die neuesten Indie-Titel oder sogar größere Unity-basierte Spiele zu leisten.

2. Potenzielles Monopol durch den Wechsel zu Unreal Während einige Entwickler sich vielleicht mit dem neuen Preismodell von Unity abfinden, könnten andere über einen Wechsel zu anderen Plattformen wie Unreal Engine nachdenken. Wenn eine signifikante Anzahl von Entwicklern zu Unreal wechselt, besteht das Risiko, dass Unreal eine dominante Position im Markt erlangt. Ein solches Monopol könnte Innovationen hemmen und die Vielfalt der verfügbaren Spiele verringern.

3. Spiele könnten vom Markt verschwinden Entwickler, die es sich nicht leisten können oder nicht bereit sind, die neue Gebühr zu zahlen, könnten sich dafür entscheiden, ihre Spiele vom Markt zu nehmen. Dies wäre besonders schmerzhaft für die Spieler-Community, wenn beliebte oder kultige Spiele nicht mehr verfügbar wären. Es wäre auch entmutigend für die Entwickler, da Jahre harter Arbeit und Kreativität einfach verschwinden könnten.

4. Rückgang von Spiele-Bundles Bundles sind oft eine großartige Möglichkeit für Spieler, mehrere Spiele zu einem reduzierten Preis zu erwerben. Mit der Einführung der Unity Runtime Fee könnten jedoch weniger Entwickler bereit sein, ihre Spiele in solchen Bundles anzubieten, da die Margen durch die Gebühr reduziert werden könnten. Dies würde die Verfügbarkeit solcher Angebote für Spieler einschränken.

5. Qualitätseinbußen Entwickler könnten versuchen, Kosten zu sparen, indem sie weniger Zeit und Ressourcen in das Feintuning und die Optimierung ihrer Spiele investieren. Dies könnte zu einem Absinken der Spielequalität führen, mit mehr Bugs, schlechterer Performance und weniger polierten Spielerfahrungen.

6. Geringere Innovationsrate Einige Indie-Entwickler nutzen Unity, um kreative und innovative Spiele zu entwickeln, die sich von der Masse abheben. Mit erhöhten Gebühren könnten sich Entwickler jedoch zurückhalten, da das finanzielle Risiko zu groß wird, insbesondere wenn ihr Spiel nicht den Massenmarkt anspricht.

7. Verzögerung von Updates und Erweiterungen Wenn Entwickler mit erhöhten Gebühren konfrontiert sind, könnten sie weniger bereit sein, zusätzliche Updates, Patches oder Erweiterungen für ihre Spiele zu veröffentlichen. Dies könnte sich negativ auf die Langzeitbindung und -unterstützung von Spielen auswirken.

8. Barriere für Neueinsteiger Neue oder weniger erfahrene Entwickler könnten es sich zweimal überlegen, bevor sie in die Spieleentwicklung einsteigen, wenn sie mit hohen anfänglichen Kosten konfrontiert sind. Dies könnte den Zustrom neuer Ideen und Talente in die Branche hemmen.

9. Zunahme von Mikrotransaktionen und In-Game-Werbung Um die Kosten der Unity Runtime Fee auszugleichen, könnten Entwickler versuchen, alternative Einnahmequellen zu finden. Dies könnte zu einem Anstieg von Mikrotransaktionen, In-Game-Käufen oder sogar In-Game-Werbung führen, was das Spielerlebnis beeinträchtigen könnte.

Fazit

Unitys Entscheidung, das Preismodell zu ändern, hat sicherlich für Diskussionen gesorgt. Es ist wichtig zu betonen, dass die meisten Entwickler die gerade mit der Spieleentwicklung begonnen haben nicht von der neuen Gebühr betroffen sein werden, aber diejenigen, die es sind, sollten sich genau überlegen, wie dies ihre Geschäftsmodelle beeinflussen könnte.

Es wird spannend sein zu sehen, wie sich diese Änderung in den kommenden Monaten auf die Spieleentwicklungsbranche auswirkt und ob Unity bei so viel Gegenwind bitte 2024 noch Änderungen an Preismodell vornimmt.

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